Geschäftsbericht 2020

Lagebericht

Geschäftsverlauf und wirtschaftliche Lage des Unternehmens

Rahmenbedingungen

Das Jahr 2020 war durch die COVID-19-Pandemie geprägt und in vielerlei Hinsicht aussergewöhnlich. In der Schweiz führten die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen der Pandemie im ersten Halbjahr zu einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um 8,6% gegenüber dem ersten Halbjahr 2019. Im dritten Quartal konnte der Rückgang zu grossen Teilen wieder aufgeholt werden, das Vorkrisenniveau wurde aber nicht erreicht. Die erneute Ausweitung der Massnahmen gegen Ende des Jahres sprechen für ein schwieriges viertes Quartal. Das SECO schätzt unter dem Strich einen Rückgang des BIP um 2% zum Jahresende. Trotz dem prognostizierten Rückgang der Wirtschaftsleistung ist die Schweizer Wirtschaft verhältnismässig gut durch die Krise gekommen. Für den Euroraum wird beispielsweise ein Rückgang des BIP um 4,4% gegenüber dem Vorjahr prognostiziert.

Die wirtschaftliche Entwicklung des kommenden Jahres wird stark davon abhängen, wie schnell die Impfkampagnen Früchte tragen und das Leben wieder zur Normalität zurückkehren kann.
Auf der politischen Ebene gab es zum Jahresende immerhin positive Nachrichten. Die Europäische Union und Grossbritannien konnten sich auf wichtige Punkte des Brexits einigen. Die Horrorszenarien eines ungeregelten Austritts konnten damit verhindert werden. Die Wahlen in den USA versprechen international mehr Berechenbarkeit der stärksten Wirtschaftsnation, wenn auch die Herausforderungen innehrhalb der USA nicht abzunehmen scheinen und nicht alle Handelskonflikte damit gelöst sind. Das grösste Risiko innerhalb der Schweiz bleibt neben der COVID-19-Pandemie eine stärkere Korrektur des Immobiliensektors.

Um den Schäden der Pandemie entgegenzuwirken, hält die Schweizerische Nationalbank (SNB) weiterhin an ihrer expansiven Geldpolitik fest. Der Leitzins beträgt -0,75% und es ist davon auszugehen, dass die Zinsen vorerst nicht steigen werden. Zudem ist die SNB weiterhin gewillt, aufgrund der Frankenstärke am Devisenmarkt zu intervenieren. Mit der SNB-COVID-19-Refinanzierungsfazilität hat die SBN dem Bankensektor im Jahresverlauf zusätzliche Liquidität zur Verfügung gestellt.

Mit dem coronabedingten Rückgang der weltweiten Wirtschaftsleistung sind Zinserhöhungen seitens der Zentralbanken weiter in die Zukunft gerückt und für die nächsten ein bis zwei Jahre wird nicht mit Zinserhöhungen gerechnet. Die amerikanische Notenbank Fed hat den Leitzins im März 2020 in zwei Schritten auf 0,00 bis 0,25% gesenkt und bereits andeuten lassen, dass der Zins in den nächsten zwei Jahren nicht erhöht werden soll. Das Notfallprogramm der Fed, das unter anderem Kreditengpässe verhindern und Liquidität gewährleisten soll, wurde bis März 2021 verlängert. Die Europäische Zentralbank hat den Einlagesatz bei negativen 0,5% belassen und die Geldpolitik mit dem Pandemie-Notfallankaufprogramm im Rahmen von 1 850 Mrd. Euro ausgeweitet

Der Schweizer Franken ist auch in der Krisenzeit als sicherer Hafen sehr gefragt. Der US-Dollar schwächte sich im Berichtsjahr klar ab und endete mit einem Kurs von 0.88 USD/CHF deutlich tiefer als im Vorjahr (0.97). Der Euro gewann gegenüber dem Franken leicht an Wert und schloss mit einem Kurs von 1.10 EUR/CHF (Vorjahr 1.09).

Die COVID-19-Pandemie wirkte sich auch auf den Arbeitsmarkt aus. Mit 163 545 Personen nahm die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenzahl gegenüber dem Vorjahr um 36,3% zu. Die Arbeitslosenquote beträgt damit 3,1% (Vorjahr 2,3%). Trotz der negativen Entwicklung haben die Unterstützungsmassnahmen des Bundes, insbesondere der starke Einsatz von Kurzarbeitsentschädigung, die negativen Effekte abgefedert und Entlassungen entgegengewirkt.
Die Teuerung im Berichtsjahr war rückläufig und betrug im Durchschnitt -0,7%, der Landesindex der Konsumentenpreise endete mit 100.9 Punkten (Dezember 2015 = 100). Ausschlaggebend waren vor allem sinkende Preise für Pauschalreisen, Erdölprodukte und Luftverkehr. Weiterhin steigend sind die Preise für Automobile und Wohnungsmieten.

Das Börsenjahr 2020 begann mit einem Schock. Mit dem weltweiten Ausbruch der Pandemie fielen die Kurse in teilweise historischem Ausmass. Die Konjunkturprogramme der Staaten und die expansiven Versprechungen der Zentralbanken sorgten aber schnell für Beruhigung an den Märkten. Auch die zunehmende Erfahrung im Umgang mit der Pandemie und die Erholung der Wirtschaft sorgte in der zweiten Jahreshälfte für Aufwind. Die positiven Erwartungen zum Jahresende führten zu einem Endspurt und die meisten Indizes schlossen das Krisenjahr positiv ab. Der SMI endete mit 10 704 Punkten 0,82% höher als im Vorjahr. Der Deutsche Aktienindex (DAX) schloss 3,55% höher und der Chinesische SSE Composite gewann gegenüber dem Vorjahr sogar 13,87% an Wert. Der britische FTSE 100 verlor hingegen deutliche 14,34%. In Amerika legte der Dow Jones um 7,25% zu und der NASDAQ 100 verzeichnete einen Wertzuwachs von 47,58%.

Regulatorisches Umfeld
Die massgebenden regulatorischen Grundlagen im Bankengeschäft sind umfangreich und werden laufend angepasst. Der Regulierungsdruck ist deutlich spürbar und unverändert hoch. Er ist zu einem grossen Teil international getrieben und beeinflusst die Kostensituation der Schweizer Banken negativ. Im Berichtsjahr hat uns insbesondere die Umsetzung der folgenden Regulatorien beschäftigt:

  • Umsetzung der Selbstregulierungsrichtlinien der Banken im Bereich der Renditeliegenschaften
  • Neue Rechnungslegungsverordnung und Überarbeitung Rechnungslegung Banken (FINMA-RS 20/1)
  • Umsetzung COVID-19-Solidarbürgschaftsverordnung

Geschäftsverlauf des Berichtsjahres
und wirtschaftliche Lage unserer Bank

Jahresabschluss per 31. Dezember 2020

Die Bilanzsumme ist um CHF/CHW 172,6 Mio. auf CHF 5 718,1 Mio. gewachsen (+3,1%). Die Ausleihungen an Kunden sind um CHF/CHW 60,0 Mio. (+1,3%) gestiegen. Die Kundengelder haben um CHF/CHW 145,3 Mio. zugenommen (+3,7%). Der Gewinn beträgt CHF 12,5 Mio. (-68,9%). Der Generalversammlung vom 31. Mai 2021 wird die Ausschüttung aus der Reserve aus steuerbefreiten Kapitaleinlagen in Form einer Wahldividende («Dividende mit Reinvestition» oder Barausschüttung) in der Höhe von CHF 10.25 (Vorjahr CHF 10.25) vorgeschlagen. Fraktionen werden bar ausbezahlt. Die Ausschüttung entspricht einer Dividendenrendite von 2,6% (auf Basis des Schlusskurses per 31. Dezember 2020).

Netto-Erfolg aus dem Zinsengeschäft
Der Bruttoerfolg aus dem Zinsengeschäft liegt mit CHF 63,2 Mio. über dem Vorjahr (8,9%). Die Bruttozinsmarge ist um 5 Basispunkte auf 1,10% (Vorjahr 1,05%) gestiegen. Der Nettoerfolg aus dem Zinsengeschäft ist um CHF 1,7 Mio. (2,9%) höher als im Vorjahr. Mit einem Anteil von 74,9% (Vorjahr 59,3%) am Gesamterfolg ist das Zinsengeschäft weiterhin unser stärkster Ertragspfeiler.

Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft
Der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft liegt mit CHF 18,4 Mio. unter dem Vorjahreswert (-18,6%). Der Anteil am Gesamterfolg beträgt 22,7% (Vorjahr 22,8%). Die mit Abstand grösste Position im Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft ist der Kommissionsertrag aus dem WIR-Verrechnungsverkehr (Netzwerkbeitrag) mit CHF 11,0 Mio. (Vorjahr CHF 14,4 Mio.). Grund für den Rückgang ist einerseits die teilweise durch COVID bedingte Minderaktivität im WIR Netzwerk. Zusätzlich hat die Bank WIR zur Entlastung der Kunden in der Pandemie temporär eine Reduktion der Netzwerkbeiträge auf Mehrumsätzen umgesetzt.

Erfolg aus dem Handelsgeschäft
Der Erfolg aus dem Handelsgeschäft stammt vorwiegend aus dem Handel mit Wertschriften inkl. eigener Stammanteile. Im Handelsbestand in Wertschriften sind auch Fremdwährungspositionen enthalten. Aktuell wird kein aktiver Handel mit Devisen betrieben. Im Jahr 2020 hat die Bank einen Verlust von CHF 2,4 Mio. erwirtschaftet (Vorjahr Gewinn 15,8 Mio.). Der Verlust ist hauptsächlich auf den Einbruch der Märkte im Frühjahr der Berichtsperiode zurückzuführen. Das Handelsgeschäft trägt -2,9% (Vorjahr 15,9%) an den Gesamterfolg bei.

Übriger ordentlicher Erfolg
Mit CHF 4,3 Mio. (Vorjahr CHF 2,0  Mio.) trägt der übrige ordentliche Erfolg 5,3% zum Gesamterfolg bei (Vorjahr 2,0%).

Personalaufwand
Die Entschädigung an die Mitarbeitenden liegt mit CHF 33,3 Mio. um CHF 2,3 Mio. unter dem Vorjahreswert (-6,5%). Die Vorsorgebeiträge an die Personalvorsorgestiftung reduzieren sich auf CHF 2,8 Mio. (Vorjahr CHF 2,9 Mio.).

Sachaufwand
Der Sachaufwand beträgt CHF 24,6 Mio. und ist damit gegenüber dem Vorjahr um CHF 1,9 Mio. gesunken (-7,0%).

Geschäftsaufwand im Budgetrahmen
Der gesamte Geschäftsaufwand (Personal- und Sachaufwand) liegt mit CHF 57,9 Mio. im Budgetrahmen und um CHF 4,2 Mio. unter dem Vorjahreswert (-6,7%).

Jahresgewinn
Im Berichtsjahr wurden CHF 7,6 Mio. (Vorjahr CHF 6,1 Mio.) für die notwendigen Abschreibungen auf dem Anlagevermögen verwendet. Nach Verbuchung des Steueraufwandes von CHF 2,0  Mio. kann ein Gewinn von CHF 12,5 Mio. (-68,9%) realisiert werden.

Die wesentlichen Kennzahlen lassen sich wie folgt darstellen:

Berichtsjahr Vorjahr
Zinsmarge 1,10% 1,05%
Return on Equity nach Steuern 2,21% 7,29%
Cost-Income-Ratio 69,38% 63,15%

Erstellung des Jahresabschlusses
Mittels eines bewährten internen Kontrollsystems stellen wir sicher, dass die Jahresrechnung unserer Bank vollständig und richtig dargestellt werden kann. Die vorliegende Jahresrechnung wurde am 23. März 2021 vom Verwaltungsrat genehmigt.

Obligationenrechtliche Revision
Die obligationenrechtliche Revisionsstelle Deloitte AG, Basel, hat nach Massgabe der entsprechenden Vorgaben am Sitz der Bank in der Zeit vom 25. Januar bis 12. Februar 2021 eine obligationenrechtliche Revision durchgeführt. Der Revisionsbericht enthält ein uneingeschränktes Prüfurteil sowie keine Hervorhebungen von Sachverhalten und keine Hinweise auf sonstige Sachverhalte.


Mitarbeitende

Anzahl Beschäftigte und Personalstruktur
Das Jahr 2020 war auch für unsere Mitarbeitenden ein aussergewöhnliches Jahr. Trotz widriger Umstände aufgrund der COVID-19-Pandemie haben unsere Mitarbeitenden Ausserordentliches geleistet und erreicht. Der Personalbestand veränderte sich während des Jahres 2020 nur leicht. Per Ende Jahr waren 246 Mitarbeitende (Vorjahr 249) angestellt, was einer leichten Abnahme entspricht. Der Personalbestand betrug teilzeitbereinigt 223 Vollzeitstellen (Vorjahr 226).

Die Personalstruktur setzte sich per Ende 2020 aus 98 Frauen (entspricht 39,8%, Vorjahr 44,2%) sowie 148 Männern zusammen. Das Durchschnittsalter betrug 44,2 Jahre (Vorjahr 43,8 Jahre).

Arbeiten im Homeoffice
Viele unserer Mitarbeitenden haben im Jahr 2020 einen beträchtlichen Teil ihrer Arbeit im Homeoffice absolviert. Die Einführung des flächendeckenden Homeoffice infolge der COVID-19-Pandemie war für Mitarbeitende, Führungskräfte und die Unternehmen eine Herausforderung. Arbeitsabläufe mussten angepasst werden und Team- und Abteilungsmeetings in den virtuellen Raum verlegt werden.

Neues Personalreglement
Die Bank WIR als Arbeitgeberin steht auf dem Bankenplatz Basel sowie an ihren jeweiligen Filial-Standorten im Wettbewerb mit anderen Arbeitgeberinnen. Die Attraktivität der Bank WIR ist entscheidend, um talentierte Mitarbeitende anziehen und halten zu können. Aus diesem Grund wurde im April 2020 eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, mit dem Ziel, das bestehende Personalreglement von Grund auf zu erneuern. Die Arbeitsgruppe bestand aus Mitarbeitenden aus allen Bereichen. In enger Zusammenarbeit mit der Personalabteilung und unter Begleitung einer ausgewiesenen externen Arbeitsrechtspezialistin ist ein zukunftsorientiertes Personalreglement entstanden, das sowohl der Arbeitgeberin wie auch den Mitarbeitenden mehr Flexibilität in der Arbeitsausführung und Arbeitszeiteinteilung erlaubt. Das neue Personalreglement trat per 1. Januar 2021 in Kraft.

Neues Performance-Management-System
Im Frühling 2020 wurde zudem bankweit ein neues, wegweisendes Performance-Management-System eingeführt. Es ersetzte das klassische Mitarbeitenden-Beurteilungssystem und legt den Fokus auf den partnerschaftlichen Dialog zwischen Mitarbeitenden und Führungskräften. Im Rahmen von regelmässigen Feedbackgesprächen werden gemeinsam Arbeitsausführung, Fortschritte bei der Zielerreichung und mögliche Entwicklungspotenziale besprochen. Mit dem neuen Performance-Management-System wurde zugleich auch ein neues, modernes Anreizsystem implementiert, welches neben der Erreichung von quantitativen Zielen auch das Erreichen von qualitativen Zielen belohnt.

Führungs- und Organisationsentwicklung
Die COVID-19-Pandemie sorgte dafür, dass sämtlichen geplanten Veranstaltungen zur Entwicklung der Führungsarbeit nicht wie geplant durchgeführt werden konnten. Auf eine virtuelle Durchführung der etablierten Gefässe verzichtete die Bank WIR bewusst. Führungsentwicklung eignet sich nur sehr schlecht für Online-Durchführungen, da der persönliche Austausch von entscheidender Bedeutung ist. Es ist geplant, nach Abklingen der COVID-19-Pandemie die jährliche Durchführung der Führungsentwicklungs-Gefässe im üblichen Rahmen wiederaufzunehmen.

Personalentwicklung, interne Stellenbesetzungen und Ausbildung
Die Qualität und Professionalität unserer Mitarbeitenden sind für die Bank WIR von entscheidender Bedeutung. Aus diesem Grund haben die Mitarbeitenden im Jahr 2020 im Schnitt 0.9 Ausbildungstage (auf Basis FTE) absolviert (kumuliert 245 Tage).

Die Personalentwicklung dient auch zur Förderung der Potentiale der Mitarbeitenden. Es ist erklärtes Ziel der Bank WIR, diese zukünftig noch stärker zu nutzen. Aus diesem Grund wird bei jeder Stellenvakanz geprüft, ob diese nicht durch fähige interne Kandidatinnen und Kandidaten besetzt werden könnte. Im Jahr 2020 wurden acht interne Stellenausschreibungen vorgenommen, davon konnten acht Stellen erfolgreich intern besetzt werden.

Die Bank WIR ist stolz darauf, seit jeher ihren aktiven Beitrag zur Ausbildung junger Menschen zu leisten. Per Ende 2020 beschäftige die Bank WIR acht Auszubildende (zwei KV-Lernende, sechs BEM-Praktikantinnen und -Praktikanten). Ein Auszubildender hat im Berichtsjahr seine Banklehre erfolgreich abgeschlossen, ebenso wie drei BEM-Praktikanten. Alle vier Ausbildungsabgänger wurden von der Bank WIR in ein reguläres Arbeitsverhältnis übernommen.

Risikobeurteilung

Die Bank verfolgt eine nachhaltige und vorsichtige Risikopolitik. Sie achtet auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Risiko und Ertrag und steuert die Risiken aktiv. Der Verwaltungsrat befasst sich laufend mit der Risikosituation des Instituts und hat ein Reglement erlassen, welches sicherstellt, dass alle wesentlichen Risiken erfasst, begrenzt und überwacht werden. Ein umfassendes Reporting stellt sicher, dass sich Verwaltungsrat und Geschäftsleitung ein zeitgerechtes Bild der Risikolage der Bank machen können. Mindestens jährlich nimmt der Verwaltungsrat eine Risikobeurteilung vor und überprüft die Angemessenheit der getroffenen Massnahmen.

Weitere Ausführungen zum Risikomanagement sind in den Erläuterungen enthalten.

Aktuelle Risikobeurteilung in Bezug auf die Hauptrisiken der Bank (Stand: 31. Dezember 2020)
Die Bank ist schwergewichtig im Bilanzgeschäft tätig. Die Hauptrisiken der Bank offenbaren sich somit vor allem im Kreditbereich und bezüglich Zinsänderungsrisiken.

Die Bank gewährt Kredite zur Hauptsache an kleine und mittlere Unternehmungen (KMU) sowie an Private. Diese Kredite werden üblicherweise auf der Basis von hypothekarischer Deckung vergeben. Dabei dienen vor allem Wohnliegenschaften als Sicherstellung. Ungedeckte Kredite werden in Ausnahmefällen vergeben, sofern es sich um solvente Unternehmungen oder öffentlich-rechtliche Körperschaften handelt. Nachstehende Grafiken geben einen Überblick über die Vergabe der Kundenausleihungen nach Deckungen per 31. Dezember 2020:


Blanko (4%)Andere Deckung (5%)Hypothekarische Deckung (91%)Hypothekarische Deckung (91%)Andere Deckung (5%)Blanko (4%)
Gewerbe und Industrie (25%)Übrige hypothekarische Deckungen (5%)Wohnliegenschaften (70%)Wohnliegenschaften (70%)Übrige hypothekarische Deckungen (5%)Gewerbe und Industrie (25%)


Im Berichtsjahr sind die Schweizer Eigenheimpreise um 2% angestiegen. Dies ist seit 2014 das stärkste Wachstum innerhalb eines Jahres. Der Anteil der Wohnkosten am Haushaltsbruttoeinkommen nimmt aber weiterhin ab, was der Gefahr einer Immobilienblase entgegenwirkt. Der globale Konjunkturabschwung hat zudem Zinserhöhungen unwahrscheinlich gemacht. Allerdings können Auswirkungen der Pandemie auf den Immobilienmarkt und die Haushaltseinkommen aktuell nicht ausgeschlossen werden.

Die Eigenheimpreise sind schweizweit gestiegen. Rund dreiviertel der Bevölkerung wohnen in Gemeinden, die Preisanstiege verzeichneten. Insbesondere die urbanen und wirtschaftsstarken Regionen um Zürich und Basel sowie die Regionen um den Genfersee verzeichneten starke Preisanstiege, teilweise über 4%.

Die Bank ist aufgrund ihrer gesamtschweizerischen Tätigkeit und der bewussten regionalen Diversifikation der Ausleihungen regionalen Risiken im Immobilienmarkt nur beschränkt ausgesetzt, was aus der nachfolgenden Grafik der Hypotheken nach Kantonen ersichtlich ist.


Andere (2%)GE (1%)FR (1%)SH (1%)TG (2%)SG (2%)VS (3%)BS (4%)GR (4%)VD (4%)TI (6%)LU (6%)BL (9%)ZH (11%)SO (11%)AG (12%)BE (21%)BE (21%)AG (12%)SO (11%)ZH (11%)BL (9%)LU (6%)TI (6%)VD (4%)GR (4%)BS (4%)VS (3%)SG (2%)TG (2%)SH (1%)FR (1%)GE (1%)Andere (2%)



Volumen im Kundengeschäft (Bestellungs- und Auftragslage)

Angaben zum Bilanzgeschäft
Unsere Bank ist zur Hauptsache im Bilanzgeschäft und in der WIR-Verrechnung tätig. Wir bieten neben den WIR-Dienstleistungen bankübliche Produkte an.

In einem weiterhin sehr kompetitiven Markt nahmen die Hypothekarforderungen um CHF/CHW 9,1 Mio. auf CHF/CHW 3 900,5 Mio. leicht ab (-0,2%). Die übrigen Forderungen gegenüber Kunden nahmen um CHF/CHW 69,1 Mio. auf CHF/CHW 799,0 Mio. zu (+9,5%). Damit steigen die gesamten Kundenausleihungen um CHF/CHW 60,0 Mio. auf CHF/CHW 4 699,5 Mio. (+1,2%). Das Wachstum erfolgt unter Wahrung unserer vorsichtigen Kreditpolitik.

Die Verpflichtungen aus Kundeneinlagen steigen um CHF/CHW 145,3 Mio. auf CHF/CHW 4 080,6 Mio. (+3,7%).

Die Kundenausleihungen nahmen mit CHF/CHW 60,0 Mio. weniger stark zu als die Kundengelder mit CHF/CHW 145,3 Mio. Dadurch nimmt die Refinanzierungsquote (Kundengelder in % der Kundenausleihungen) per Ende 2020 zu. Die Kundenausleihungen sind zu 86,8% (Vorjahr 84,8%) mit Kundengeldern gedeckt. Als weitere wichtige Refinanzierungsquelle und zur Steuerung der Zinsänderungsrisiken dienen der Bank Pfandbriefdarlehen, deren Volumen sich Berichtsjahr unverändert auf CHF 592,2 Mio. beläuft.

Berichtsjahr Vorjahr
Kundengelder 4 080,6 Mio. 3 935,3 Mio.
Kundenausleihungen 4 699,5 Mio. 4 639,5 Mio.
Deckungsgrad im Kundengeschäft 86,8% 84,8%

Innovation und Projekte (Forschungs- und Entwicklungstätigkeit)

Digitalisierung und Innovation im Fokus
Die Bank WIR ist seit jeher am Puls der Zeit und nahe an ihren Kunden. Sie weiss deshalb, was sie beschäftigt, was sie bewegt und was sie benötigen. Die digitale Transformation stellt viele Privat-, aber insbesondere auch Firmenkunden vor Fragen und neue Herausforderungen. Nicht zuletzt dank gezielter Diversifikation und Innovation verfolgt die Bank WIR seit Jahren einen Weg, der Kunden durch den Einsatz und vor allem die Verknüpfung digitaler Lösungen einen Mehrwert verschafft.

Im Jahr 2020 wurden nicht nur bestehende Produkte wie die mobile Bezahl-App WIRpay oder die Plattform WIRmarket konsequent optimiert und weiterentwickelt, sondern – nicht zuletzt auch durch Partnerschaften und Beteiligungen – neue digitale Lösungen lanciert. Weiterhin gilt der Grundsatz: Wir digitalisieren nicht, damit wir digitale Produkte haben – bei der Bank WIR steht der Kundennutzen immer im Zentrum.

Einen grossen Anteil daran, dass die Bank WIR als digital und innovativ wahrgenommen wird, hat das Fintech-Startup VIAC. Dieses wurde 2017 in enger Kooperation und durch die Beteiligung der Bank WIR aus der Taufe gehoben und hat seither den Schweizer Vorsorgemarkt regelrecht revolutioniert. Mittlerweile umfasst das Angebot nicht nur die Säule 3a, sondern steht auch für Freizügigkeitslösungen (2. Säule) zur Verfügung. Im Herbst 2020 wurde zudem ein innovativer und kostenloser Versicherungsschutz eingebaut – weitere Ausbauschritte sind in der Pipeline.

2020 neu als Smart Investor beteiligt hat sich die Bank WIR an einem Start-Up aus dem Prop-Tech-Bereich: Vermando vermittelt auf der Plattform «HausHeld.ch» Hauseigentümerinnen und -eigentümer, die Renovationsbedarf haben, an passende Handwerksbetriebe. Geplant sind bereits weitere Produkte rund um die Themen Gebäudeverwaltung und -management. Beide Unternehmen haben die Themen KMU und Netzwerk auf dem Radar.

In Zusammenarbeit mit dem Schweizer Fintech Amnis hat die Bank WIR 2020 zudem die Online-Plattform «FX Trading» gestartet. Dabei profitieren KMU-Kundinnen und -Kunden rund um die Uhr von Top-Konditionen für Währungsgeschäfte und internationale Zahlungen. Die Devisenmarge ist dabei – anders als dies branchenüblich ist – unabhängig von der Transaktionshöhe. Ebenfalls zu den Themen Digitalisierung und Innovation passt die Partnerschaft mit CredEx (Credit Exchange AG), mit der die Bank WIR der fundamentalen Transformation im Schweizer Hypothekarmarkt Rechnung trägt. Die Verknüpfung von Endkunden, Vertrieb und Kreditgeber bringt für alle Beteiligten mehr Effizienz und Transparenz. CredEx ist eine Auktionsplattform, die Angebot und Nachfrage verknüpft – für Kundinnen und Kunden der Bank hat dies den Vorteil, dass sie von Finanzierungskonditionen profitieren können, die sonst nur Versicherungen und Pensionskassen bieten.

Nebst der Erweiterung der Angebotspalette 2020 stehen natürlich weitere Beispiele, die laufend optimiert werden, für die Digitalisierung – so beispielsweise die Online-Kontoeröffnung (voll digitalisierter Prozess von der Video-Identifikation beim KMU-Neukunden bis hin zur Dokumentenablage in der Bank), die Produktpartnerschaft mit der digitalen Buchhaltungs- und Treuhandlösung Accounto, die Zusammenarbeit mit dem führenden Schweizer E-Payment-Anbieter Payrexx (Einbindung der Zahlungsoption «WIRpay» und somit einfache CHW-Abrechnung im eigenen Onlineshop) oder das zusammen mit der K&W Software AG entwickelte Kreditberatungstool, das den gesamten Kreditprozess von der Kundenberatung und Offertstellung bis zur eigentlichen Kreditabwicklung abbildet. Durch eine neue Kooperation mit Moveri AG können Kundinnen und Kunden der WIR Bank Genossenschaft seit August 2020 bei «Ruedi Rüssel» und «Miniprix» mit einem WIR-Anteil tanken. Durch die Produktpartnerschaft erhält das KMU-Netzwerk eine attraktive Möglichkeit, die weltgrösste Komplementärwährung im Alltag einzusetzen. Das durch die Moveri AG betriebene Tankstellennetz gehört zu den günstigsten Benzin- und Dieselanbietern der Schweiz.

Das Beispiel VIAC sowie die neuen Partnerschaften und Beteiligungen 2020 zeigen, dass die Bank WIR Chancen packt und dabei attraktiver Partner und Förderer ist. Innovation ist für uns, wenn wir ein relevantes Kundenbedürfnis besser lösen als alternative Formen und damit ein heutiges oder zukünftiges Geschäft optimiert betreiben können. Vor diesem Hintergrund sind auch die Umsetzung unserer Digitalisierungsstrategie sowie die Institutionalisierung eines gezielten Innovationsmanagements zu verstehen.

Nachhaltigkeit unserer Geschäftstätigkeit
Der Begriff Nachhaltigkeit steht für Verantwortung sowohl hinsichtlich wirtschaftlicher Faktoren als auch sozialer und ökologischer Aspekte. Uns ist es wichtig, in allen drei Bereichen einen Beitrag zu leisten. Wir sind als Genossenschaft nicht der Gewinnmaximierung verpflichtet, bieten faire Konditionen auf unseren Bankprodukten an, engagieren uns für Chancengleichheit und stellen sicher, dass unser Ressourcenverbrauch und die Auswirkungen auf die Umwelt möglichst gering sind. Wir verstehen unser Engagement nicht nur als eine unternehmerische Herausforderung, sondern auch als Beitrag zu einer zukunftsfähigen Entwicklung der Gesellschaft.


Aussergewöhnliche Ereignisse im Berichtsjahr

Die Bank verzeichnete im Berichtsjahr folgende aussergewöhnliche Ereignisse:

  • Umstellung von LIBOR auf SARON®
  • Die Bank WIR wird Aktionärin bei Cargo sous terrain
  • COVID-19-Überbrückungskredite und Amortisationsaufschübe

Umstellung von LIBOR auf SARON®
Die britische Finanzmarktaufsicht FCA hatte im Juli 2017 bekanntgegeben, dass sie die Ermittlung des Libor durch ausgewählte Banken nur noch bis spätestens Ende 2021 unterstützen wird. Für Geldmarktfinanzierungen wird neu die Schweizer Lösung SARON® («Swiss Average Rate Overnight») als Referenzzinssatz verwendet. Als eine der ersten Schweizer Banken wurden in der Berichtsperiode sämtliche neuen Geldmarktprodukte umgestellt und sind neu an den SARON® gebunden. Dabei hat die Bank WIR sich für den sogenannten «Period Shift» entschieden. Bei dieser Berechnungsvariante wird die Beobachtungsperiode um eine ganze Zinsperiode vorverschoben. Dadurch kennt der Kunde seinen Zinssatz spätestens am Starttag der Zinsperiode (analog LIBOR).

Die Bank WIR wird Aktionärin bei Cargo sous terrain
Die Bank WIR wurde im Berichtsjahr neue Aktionärin der Cargo sous terrain (CST) AG. Zudem ist Bruno Stiegeler, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Bank WIR, in den Verwaltungsrat der CST AG gewählt worden. Die CST AG ist im Jahr 2017 aus dem seit 2013 bestehenden Förderverein hervorgegangen. Zahlreiche Schweizer Firmen der Transport-, Logistik-, Detailhandels-, Telekom-, Finanz-, Industrie- und Energiebranche sind als Investoren, Aktionäre und Projektpartner an der Umsetzung von Cargo sous terrain beteiligt und arbeiten aktiv am Lösungskonzept mit. Mit CST soll die Schweiz ab 2031 ein privat finanziertes und digital gesteuertes Gesamtlogistiksystem erhalten, das die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und die Lebensqualität für die Bewohner nachhaltig gewährleistet.

COVID-19-Überbrückungskredite und Amortisationsaufschübe
Zur Sicherstellung der Liquidität konnten Unternehmen, die durch die COVID-19 Krise betroffen waren, zwischen dem 26. März und 31. Juli 2020 vom Bund verbürgte Überbrückungskredite in Anspruch nehmen. Die Bank WIR hat an dem Hilfsprogramm teilgenommen und konnte rund 270 KMU mit Krediten im Umfang von CHF 35 Mio. unterstützen. Als zusätzliche Unterstützungsmassnahme seitens der Bank wurden betroffenen Unternehmen Amortisationsaufschübe auf Krediten im Umfang von gegen CHF 20 Mio. gewährt.

Ausblick (Zukunftsaussichten)

Über die Hälfte unserer Erträge fliessen aus dem Zinsengeschäft. Das aktuelle Zinsumfeld sowie unsere Erwartung zu dessen Entwicklung lassen uns für die kommenden Jahre zum Ausbau der Erträge aus dem Zinsengeschäft ein moderates Wachstum unter Wahrung einer vorsichtig und nachhaltig ausgestalteten Kreditpolitik anstreben. Das tiefe Zinsumfeld ist eine Herausforderung für das WIR-Geschäft, das rund 15% der Erträge ausmacht. Durch Investitionen in die Infrastruktur, die Weiterentwicklung des WIR-Systems und Innovationen wird das WIR-System zum einen gestärkt, aber auch eine breiter diversifizierte Grundlage für das Bankgeschäft geschaffen. Als zusätzliches Mittel zur Diversifikation ist die Bank WIR strategische Partnerschaften eingegangen und ist auch in Zukunft gewillt, sich an Unternehmen zu beteiligen, um den Kunden so einen Mehrwert und moderne Produkte anbieten zu können. Die anfallenden Kosten überprüfen wir auf ihre Wertschöpfung und optimieren dabei in weniger wertschöpfungsintensiven Bereichen die Kostensituation laufend. Die Erreichung unserer strategischen Ziele überwachen wir regelmässig mittels entsprechender Instrumente und nehmen, wenn nötig, Anpassungen an den darauf ausgerichteten Umsetzungsmassnahmen vor.

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